Hallo,
um das Fressverhalten von Katzen zu "verstehen" muss man meiner Meinung nach zwei wichtige - auf den ersten Blick "gegenläufige" Futtertendenzen von Katzen verstehen.
Einmal gibt es einen angeborenen Hang dazu nicht immer genau das Gleiche zu fressen.
Edit: Im Gegenteil, sie werden in ihrem Essverhalten als "Neophil" (also Neuesliebend) bezeichnet.
"Neophilia
The preference for new foods over a usual food is common in both cats and dogs, but is an apparent contradiction to neophobia. Neophilia allows animals to evaluate potential new food sources for nutritional quality, providing an alternative to the usual food if it becomes scarce. A novel food whose characteristics are outside of the animals feeding experience will tend to be rejected, whereas those more similar to known food are accepted and tried.
Cats and dogs reared from weaning for 16 weeks on a single commercially prepared nutritionally complete food consistently preferred an alternative food when offered a choice between the alternative and the familiar food. When distinctively flavoured semi-moist diets were fed from weaning for three weeks, one of the treatment groups still exhibited strong preferences for the familiarly flavoured food. "
Sie fressen eben nicht, wie man das so allgemein denkt, täglich identisches Futter. Sogar "Maus" ist nicht das Selbe wie "Maus" sondern es gibt unzählige verschiedene Mäuse, dann junge, alte, dicke, dünne, tragende, welche die vorher im Maisfeld gefuttert haben oder welche die Speck assen...
Dann aber noch Ratten, Kaninchen, Vögel, Insekten und so weiter. Das Futter von Katzen mag zu grossen Teilen "ähnlich" sein aber nicht "Standardisiert". Und Katzen mögen gerne Abwechslung, ich denke mal das ist "normal".
Zudem, wenn man ihnen ständig das gleiche Futter vorsetzt, dann kann es gut sein, dass sie irgendwann an irgendeinem Spurenelement oder was auch immer einen grossen Mangel haben - so "fühlen" sie plötzlich, dass ihnen etwas fehlt, dass sie etwas anderes im Futter haben möchten.
Nur - da kommt jetzt ein wichtiger Aspekt zum Tragen. Was das Kätzchen nicht lernt das lernt Katz nimmermehr. Sozusagen. Ich habe mal vor Jahren einen Artikel gefunden in dem diese "Angst vor Neuem" "Neophobie" genannt wurde, und als das ist sie in deutsche "Barferkreise" eingezogen. Katzen lernen sehr viel durch zugucken und das in erster Linie von ihren Müttern, Tanten und eben der grossen Familie die sie haben. Sie lernen von "vertrauenswürdigen" Mitkatzen was jagdbar ist und was nicht, was essbar ist und was nicht.
Haben Katzen keine solchen "Vorbilder" dann "glauben" sie mehr oder weniger das das, was wir ihnen geben schon das richtige sein wird.
edit: hier der Artikel in dem das steht:
http://nutrition.advancepetfoods.com.au ... gbehaviour
"Neophobia
Neophobia is a fear of new objects which in relation to feeding is observed as a tendency to reject new foods. Food neophobia in dogs is not common, but can be demonstrated. For example, a variety of small breeds of dogs were reared from weaning to two years old on specific diets offering different levels of variety of flavour and texture. When they were then offered a novel food of unusual flavour and texture, the dogs which had previously experienced a variety of flavours preferred the novel food to their accustomed food, but dogs with restricted flavour experience preferred their usual food. Hence previous experience of different flavours and textures influences the food selection behaviour of the individual.
Neophobia can also be induced through environmental conditions. The preference of adult cats for a familiar diet declined with repeated exposure to that diet, but testing in a novel environment resulted in a total rejection of the more novel food in favour of the familiar food. On return to their accustomed housing, the cats' preference reverted to the novel diet, showing the importance of familiarity with the environment on the selection process. "
Wenn eine Katze nun spürt dass sie eigentlich das Futter wechseln sollte, aber auf der anderen Seite "Angst" vor anderem Futter hat führt das einfach dazu dass sie von keinem Futter mehr ausreichend fressen mag - die Besitzer haben dann oft sehr schlanke, sehr mäkelige Katzen und kaufen sich durch das Futtersortiment ohne eine nachhaltige Verbesserung des Fressverhaltens zu erreichen. Traut sich die Katze aus irgendeinem Grund ein neues Futter zu fressen, dann passiert es oft, dass sie dann nach einer gewissen Zeit genau wieder vor dem gleichen Problem steht.
Daher ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, wenn man Katzen aufzieht, dass sie von Anfang an daran gewöhnt werden verschiedenste Nahrungsmittel als "essbar" zu erkennen. Und später ist es wichtig, dass sie diese Nahrungsmittel auch immer wieder als "essbar" präsentiert bekommen.
Wenn man eine erwachsene Katze dazu bringen möchte Dinge zu fressen, die sie nicht kennt ist das in der Regel sehr mühsam und aufwändig - durch die oben beschriebenen Dinge.
Wenn man das aber weiss und zudem eine gewisse Konsequenz besitzt, dann denke ich kann man jede Katze dazu bringen ihren Speiseplan nicht allzu eng zu halten (bzw. auszuweiten). Es ist in meinen Augen nur sehr wichtig vollständig neues und ungewohntes Futter sehr langsam und vorsichtig einzuführen (besonders bei erwachsenen Katzen), ständig abwechslungsreich zu füttern und ausserdem niemals eine Mahlzeit durch eine andere zu ersetzen.
Tja, und nun weiss ich schon, dass das viele Leute anders sehen als ich - aber hier funktioniert das so :-)
Liebe Grüße
Andrea