Seite 1 von 1

Herbstkatzen sind schwächer als Frühjahrskatzen!

Verfasst: Di 29. Mai 2018, 14:17
von Christiane 57
Von Mythen und Legenden

Bereits seit Jahrzehnten hält sich das Gerücht, dass Katzen aus einem Herbstwurf kleiner, schwächer und damit auch anfälliger für Krankheiten wären als Katzen aus einem Frühlingswurf. Auch mir wurde schon auf mein erstauntes Gesicht über die geringe Größe zweier Katzen erklärt, dass es sich um die beiden Racker um Herbstkätzchen handle.

Nun finden sich immer wieder, gerade bei Menschen, die über die Anschaffung einer Katze nachdenken, ähnliche Gedankenmuster: „Lieber bis Mai warten, damit erhalte ich robustere und gesündere Katzen als im Herbst.“ Die Verunsicherung zu diesem Thema ist sehr groß, dieses Gerücht hat sich mittlerweile so im Gedankengut verwurzelt, dass es als wahr gilt.

Ist das nun so?


Fakt ist, dass der Mythos Herbstkatzen primär von Bauern in der früheren Zeit abstammt. Die draußen gehaltenen Stallkatzen waren als Mäuse- und Rattenfänger gern gesehene Mitbewohner auf den Höfen.

Im Frühling geborene Katzen wuchsen in immer besser werdenden Wetterverhältnissen auf, fanden im Sommer viele Möglichkeiten, an Futter zu kommen und waren nach der warmen Jahreszeit durch ihre Fettreserven bestens geschützt gegen einen kalten und harten Winter im Stall. Die Mutter der Maikätzchen wurde als äußerst robust angesehen, da sie trotz Trächtigkeit während der Wintermonate noch stark genug war, die Kätzchen ausreichend zu versorgen. Außerdem waren die Maikätzchen besonders wichtig während der Kornernte, um den Mäusen den Garaus zu machen. Genau dann nämlich waren die Kleinen bereits groß und schlau genug, sich als Mäusefänger nützlich zu machen.
Die zweite Beobachtung der Bauern betraf die Herbstkätzchen. Diese wurden kurz vor Wintereinbruch geboren und hatten oft keinerlei Fettreserven, um die Wintermonate gut zu überstehen. Außerdem erlagen sie sehr oft dem gefährlichen Katzenschnupfen, was ihnen den Ruf der Anfälligkeit für Krankheiten einbrachte. Die Kätzchen, die robust genug waren, allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben, waren aufgrund des fehlenden Futters meist kleiner als Frühlingskatzen. Da sie während der Kornernte noch nicht alt genug zum Mäusefang waren, wurden (und werden) sie meist von den Bauern getötet, da sie keinen Nutzen für ihn haben.

Fakt 2 ist, dass diese Bauernregeln heutzutage keine Gültigkeit mehr haben.

Wenn wir von Hauskatzen sprechen, die heute in einem behüteten Zuhause aufwachsen, dann spielt das Aufwachsen zu unterschiedlichen Wetterbedingungen überhaupt keine Rolle mehr. Ob im Frühjahr oder im Herbst geborene Katzen, sie werden gleichermaßen gut gefüttert und gepflegt und können in absolut gleich guten Konditionen aufwachsen. Die Grundversorgung durch ausreichend Futter, Leckerlies und Spielzeit ist heute gegeben, da Katzen nicht mehr als reine Nutztiere, sondern als geliebte Mitbewohner angesehen werden.

Auch die Anfälligkeit für Krankheiten ist heutzutage keinerlei Thema mehr. Da die Muttertiere während der Trächtigkeit gut versorgt werden und die Welpen gesunde Muttermilch zur Unterstützung des Immunsystems erhalten, gehören kränkelnde Welpen von Hauskatzen der Vergangenheit an.

Über die Größe von Herbstkatzen könnte man debattieren. Klar gibt es kleine und große Katzen, in jedem Wurf zu jeder Jahreszeit. Vielmehr ist hier zu betrachten, woher die Katze stammt, welche Rassen sich bei Nichtzuchttieren verpaart haben oder ähnliche Kriterien, die sich auf die Größe bzw. auf das Wachstum auswirken können. Es gibt nämlich sogar Riesen unter den Herbstkätzchen, doch aufgrund des veralteten Bauernmythos wird hier kein Zusammenhang gebildet, der den Mythos unterstützt.

© Christiane 57


Ist die Nachfrage nach Maikatzen größer? Werden die Kätzchen schlechter stubenrein? Sind sie anfälliger für Krankheiten?
Welche Erfahrungen konntet ihr machen?